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Unruhige Kinder: Warum Regulation oft beim Körper beginnt

14. Okt.
4 Min. Lesezeit

Ein Kind kann nicht stillsitzen, ist ständig in Bewegung oder wird von seinen Gefühlen überwältigt. Was tun, wenn Erklärungen nicht helfen und das Kind einfach nicht zur Ruhe kommt? Vielleicht sollten wir weniger versuchen, das Verhalten zu verändern, und mehr darauf achten, was das Kind gerade braucht.


Kinder müssen erst lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen


Kinder können ihre Emotionen noch nicht so gut regulieren wie Erwachsene. Sie werden wütend, sind überfordert, reagieren impulsiv oder haben Schwierigkeiten, nach einer aufregenden Situation wieder zur Ruhe zu finden.

Wir Erwachsenen erklären dann oft, dass sie sich beruhigen, nicht so laut sein oder endlich stillsitzen sollen. Doch ein Kind kann durchaus verstehen, was wir von ihm erwarten, und trotzdem noch nicht wissen, wie es das umsetzen soll.

Denn die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen, entwickelt sich erst mit der Zeit.

Dabei spielt nicht nur der Kopf eine Rolle. Auch der Körper ist beteiligt.


Bewegung ist ein wichtiger Teil der Entwicklung


Kinder lernen durch Bewegung. Sie klettern, hüpfen, drehen sich, balancieren und probieren aus, wie viel Kraft sie brauchen. Dabei sammeln sie Erfahrungen mit ihrem Körper und entwickeln nach und nach ihre Körperwahrnehmung.

Sie lernen, Anspannung und Entspannung zu unterscheiden, ihre Bewegungen zu koordinieren und ihre Kraft einzuschätzen.

Manche Kinder brauchen viel Bewegung. Andere haben Schwierigkeiten, ihre Kraft passend einzusetzen oder rechtzeitig zu bemerken, dass sie angespannt oder überfordert sind.

Wenn ein Kind unruhig ist, lohnt es sich deshalb, nicht nur auf sein Verhalten zu schauen, sondern auch darauf, wie es seinen Körper erlebt.


Was hat Körperwahrnehmung mit Emotionen zu tun?


Gefühle zeigen sich auch körperlich. Bei Wut spannen wir vielleicht die Hände an, bei Aufregung wird die Atmung schneller, bei Angst zieht sich der Bauch zusammen.

Erwachsene können solche Signale mit etwas Übung erkennen und einordnen. Kinder müssen das erst lernen.

Manche bemerken ihre Anspannung erst, wenn sie bereits sehr aufgewühlt sind. Andere können kaum stillsitzen und scheinen ständig Bewegung zu brauchen.

Deshalb kann es sinnvoll sein, Kindern nicht nur zu erklären, was sie fühlen, sondern ihnen Möglichkeiten zu geben, ihren Körper bewusst zu erleben.

Das kann durch Hüpfen, Stampfen, Balancieren oder kräftiges Drücken gegen eine Wand geschehen. Manchmal hilft es auch, einen kleinen Ball zwischen den Händen oder unter den Fußsohlen zu rollen und dabei die Bewegung bewusst wahrzunehmen.

Nicht jede Übung passt zu jedem Kind. Entscheidend ist, auszuprobieren, was dem Kind in diesem Moment guttut.


Was können Eltern konkret ausprobieren?


Wenn ein Kind unruhig ist, hilft es manchmal, ihm eine körperliche Erfahrung anzubieten, statt es immer wieder zum Stillhalten aufzufordern.

Je nach Situation können folgende Übungen hilfreich sein:

  • Kraft spüren: Gegen eine Wand drücken, ein Kissen festhalten oder mit den Händen gegeneinander drücken.

  • Bewegung ermöglichen: Hüpfen, stampfen, tanzen oder ein paar Runden laufen.

  • Gleichgewicht erleben: Auf einer Linie gehen, auf einem Bein stehen oder das Gewicht langsam von einem Fuß auf den anderen verlagern.

  • Berührung wahrnehmen: Einen kleinen Ball zwischen den Händen rollen oder ihn langsam unter den Fußsohlen bewegen.

  • Anspannung und Entspannung entdecken: Die Hände für einen Moment fest zu Fäusten machen und anschließend wieder öffnen.

Es geht nicht darum, möglichst viele Übungen durchzuführen oder das Kind damit sofort ruhig zu bekommen. Viel wichtiger ist es, zu beobachten, wie es darauf reagiert.

Manche Kinder brauchen kräftige Bewegung, andere eher langsame, rhythmische Bewegungen. Und manchmal hilft gerade keine Übung, sondern Nähe, eine Pause oder ein Erwachsener, der ruhig an der Seite des Kindes bleibt.

Das Ziel ist nicht, die Unruhe einfach wegzumachen. Es geht darum, dem Kind Möglichkeiten zu geben, seinen Körper besser wahrzunehmen und nach und nach herauszufinden, was ihm guttut.


Warum ich mit Kindern nicht nur im Stillen arbeite


In meiner Cranio-Sacralen Arbeit mit Kindern bedeutet Begleitung nicht automatisch, dass ein Kind ruhig auf der Liege liegt.

Ich arbeite gerne am Boden, beziehe Bewegung ein und lasse dem Kind Raum, sich auszuprobieren. Manchmal entsteht die Begleitung mitten im Spiel, manchmal während das Kind seine Position verändert oder sich bewegt.

Das macht die Arbeit nicht immer leichter. Ein Kind, das ständig in Bewegung ist, lässt sich nicht so begleiten wie ein Kind, das entspannt liegen bleibt.

Aber darum geht es mir auch nicht.

Wenn ich ein Kind vor allem dazu bringen möchte, still zu sein, und ihm dabei die Möglichkeit nehme, sich selbst zu erleben, geht für mich etwas Wesentliches verloren.

Ich möchte wahrnehmen, wie das Kind auf mich und auf unterschiedliche Angebote reagiert. Was fühlt sich für es angenehm an? Wann braucht es Bewegung? Wann entsteht vielleicht ein Moment, in dem es von selbst ruhiger wird?

Dabei gibt es kein festes Rezept. Jedes Kind bringt seine eigene Persönlichkeit, seine Bedürfnisse und sein eigenes Tempo mit.

Mein Ziel ist nicht, ein unruhiges Kind einfach ruhig zu machen. Ich möchte es dabei begleiten, seinen Körper besser wahrzunehmen und neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Körperorientierte Begleitung kann dabei eine Unterstützung sein. Sie ersetzt jedoch keine fachliche Abklärung, wenn ein Kind dauerhaft stark unruhig ist oder im Alltag erheblich beeinträchtigt wird.


Nicht jedes Gefühl muss sofort verschwinden


Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen helfen, ihre Gefühle zu verstehen, ohne jedes Gefühl sofort unterdrücken zu wollen.

Manchmal braucht ein Kind Bewegung. Manchmal Nähe, eine Pause oder einen Erwachsenen, der einfach da ist.

Statt nur zu fragen: „Wie bekomme ich mein Kind dazu, sich zu beruhigen?“, können wir uns auch fragen:

„Was erlebt mein Kind gerade - und was könnte ihm helfen, sich selbst besser zu spüren?“


Denn Regulation bedeutet nicht, immer still und angepasst zu sein. Sie bedeutet, nach und nach einen besseren Umgang mit sich selbst zu entwickeln.

Und dieser Lernprozess darf auch über Bewegung stattfinden.

 
 
 

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